Dienstag, 30. Januar 2007

Jerome lebte in einer Kleinstadt.
Jerome mochte keine Kleinstädte. Da ist man als Mensch viel zu sehr festgelegt.
In vergangenen Zeiten war das Stahlwerk das Vorzeigesymbol. Zwölf Schornsteine ragten in den Himmel. Alle wollten dort arbeiten. Jeden Morgen verließen sie gemeinsam das Haus, setzten sich gemeinsam in den Bus, stiegen vor den Toren des Werkes aus. Arbeiteten.

Dann kam die Wende.
Allmählich verließ ein Schornstein nach dem anderen das Werk.
Mit ihnen die Arbeiter. Grüppchenweise.
Das Arbeitsamt wurde zu einem beliebten Treffpunkt.
Man tauchte in Gefühlsfloskeln ab: "Früher war alles besser. Zu DDR-Zeiten. Da hatte man wenigstens Arbeit. Gut. Das Stahlwerk war zwar nie mein Traum. Aber man kann ja eben nicht immer wie man will. Leben ist halt kein Zuckerschlecken."

Die Geburt der toten Stadtteile.
Das geht schnell. Man erhofft sich besseres im Drüben.
Sitzt nun dort bei Agenturen rum.

Hätte man vom Westen nichts gewusst, wäre er wohl nie zu einem Wunsch geworden.

Nun gibt es seine Stadt zwar noch.
Aber was ist ein Ort, der sich in alten Zeiten zu einer Arbeiterstadt erklärte, sich dahingehend ausrichtete, ohne Arbeit?
Die Stadt und das Stahlwerk waren zusammengewachsen, wie ein Mensch mit seiner Sucht. Das Werk gibt es nun nicht mehr.
Auf den Straßen riecht es nach Entzugserscheinung.
Bald, irgendwann müssen doch die Krämpfe, die Schüttelfrostattacken, die Sehnsüchte, die Gier nach Stahlstoff ein Ende haben?...

Montag, 29. Januar 2007

Jeromes Vater war einer von vielen.
So wie Väter nun mal sind. Das ist schnell gesagt, wenn nur jene in die Erfahrung geraten, welche in Arbeitslosigkeit und Alkohol festsitzen.
Nimm´s hin, Kleiner, das ist nun mal so, da kann man nichts dran ändern.
Wie sehr Jerome sich dagegen sträubte, die Erfahrung sprach gegen ihn. Seine.
"Es ist zwar so, aber es muss nicht so bleiben", war in seiner Hoffnung lange schon vorgeformt, formte sich weiter, wollte zu Papier gebracht werden, neigte dazu, sich zu verformen. Verformte sich schließlich. Nun schien alles nur noch Utopie.

Arbeitslos sein. Wie sehr einen Worte verletzen können.
Arbeitslos sein. Den Verletzungen nicht mehr standhalten. Einnebeln.
Es riecht nach Alkohol in meiner Welt.
Arbeitslos sein. DIE GRENZE MEINER BRACHE IST DIE GRENZE MEINER WELT.
Wittgenstein? Der tut nichts zur Sache.
´Brache`, das meint unbestelltes Feld. Woher also dieses Gefühl von Ekel im Mund. Nichts von Aufbruch! Keine Spur.

Arbeitslos sein: Sage jemandem, er sei arbeitslos, und er beginnt, sich dahingehend zu entwerfen. Er stellt sich sehr schnell als einen Menschen fest, dem etwas fehlt. Ein Mängelwesen. Hast Du keine Arbeit, dann bist Du arbeitslos. Nicht etwa Mensch, mit Möglichkeiten. Nein, ein Mensch, der sich an dem festbeißt, was ihm fehlt. Er denkt sich: Ich bin kein würdiger Mensch. Mir fehlt es an Arbeit dazu.
Warum sagt man nicht, Du bist das oder das, oder fragt, wie man sich denn sehe. Oder wer weiß. Warum sagt man: Du hast keine Arbeit, also bist Du arbeitslos. Dir fehlt etwas.
Richte Dich nach dem, was Dir fehlt. Lasse außer Augen, was Du sonst möglich machen könntest, wie Du sonst handeln könntest. Trage täglich diesen Begriff, hake ihn in deinem Hirn fest, in deinem Magen. Denke nur daran. Und gehe ein, denn seit Jahren, gibt es keine Wahrscheinlichkeiten für dich, in einen Arbeitsalltag zurückzukehren, und Du allein bist schuld daran. Dein Betrieb ging den Bach runter. Alle Arbeiter vor die Tür gesetzt. Gesagt bekommen, tagein, tagaus, wer Arbeit will, der kriegt sie auch, gesagt bekommen, Du allein bist Schuld an Deiner Lage.
Subtil schwingt mit: Du hast nichts anderes verdient, als dich arbeitslos zu nennen. So wie wir es tun, in den Reden über dich.
Wir halten dich ab, von der Möglichkeit, es anders anzugehen.
Rede Dir ein schlechtes Gewissen! Trink!



Das war jetzt extrem schlecht.

Samstag, 27. Januar 2007

Man habe gehört, Gott sei ein Wesen, dass selbst nicht über Arme und Beine verfügt.
So kam er auf den Schluss, sich Menschen mit Extremitäten zusammenzudenken,um im selbstlaufenden Zufallsspiel herauszufinden, was man nun damit alles anstellen könne.
Eines Tages gab es die Vermutung, der Mensch neige dadurch zur Perversion.
Das musste Gott der Sicherheit wegen nun prüfen, herausfordern, provozieren.
Er erdachte sich den Menschen nach seinem Bilde: Armlos, beinlos. Aber auch andere "Behinderungen" in den unterschiedlichsten Ausprägungen.
Nun war es bewiesen:...

Freitag, 26. Januar 2007

Alle nannten ihn Jerome.
Er hörte darauf. Sagte: "Das bin ich".

Jerome war nicht sonderlich begabt.
Er konnte sich einfach nicht erklären, was es mit dem Namen auf sich hat. Er hörte auf ihn. Fühlte sich ihm gegenüber verpflichtet. Aber der Ursprung...
Wo sollte er anfangen, wenn er erfahren wollte, was es auf sich hat, mit ihm, mit "Jerome". Ausgerechnet "Jerome". Und er fiel jedesmal darauf rein. Rief jemand diesen Namen, drehte er sich völlig willenlos in jene Richtung. Er konnte nichts dagegen unternehmen. Selbst wenn er sich vornahm, nicht darauf zu reagieren, reagierte er dennoch: "Ignoriere das. Tu, als hättest Du es nicht gehört. Du bist nicht gemeint."
All das machte dieser Name mit ihm. Und er hat noch immer nicht begriffen, was ihn dazu verleitet, sich mit ihm gleichzusetzen, wo er doch nicht einmal deren Ursprung weiß.

Donnerstag, 25. Januar 2007

Wenn das Augenlicht sich zu Boden neigt
Sich zum Bessren wendet so
Stets der Wind durch steile Pflaster zweigt
Vergessen bald bleibt mir das Wo

Wenn der Fensterdank dunkel überragt
Sich zum Bessren wendet dann
Läute! Wind! was dein Gewissen nagt
Vergessen bald bleibt mir das Wann

Nun dreh dich und suche die Geste

Montag, 22. Januar 2007

auf Grund des engen Platzes geht leider der korrekte Zeilenumbruch verloren, was bedauerlich ist

Ich schreibe mit dem Hunger im Gehirn auf Keine-Lust-Weiterzudenken.
Monströse Fetzen eingetaucht in Aschenputtelhinterland.
Zeig her deine Füße.Rabenschwarz wie rabenschwarze Märchen nun mal sind.
Und sind sie nicht schwarz, dann sind es keine Raben.
Weiß, es ist falsch, aber glaube nicht daran.
Es brodelt: jedes Mal im eignen Netz gefangen.

Ausgeblendet
Seitenwand
Ich bin der Nabel meiner Welt
Ein unerträgliches Gesülze
Die Nabelschnur ist in den Brunnen gefallen mit mir als ich ein Kind war

Tropft der Spiegel Schmierfink andre Vogelwelten wetten Regen ist gemeldet
Auf Teufel komm raus
Aus dem Erdloch Weltloch
Ich mein es doch nur gut

Jede Strophe eine Zeile weniger
Das ist doch simpel
Kann ja jeder

Mein Vater ist viel fetter als deiner
Na und. Dafür ist meiner fast taub

Sag das nochmal!

Tatsachengerücht 2 (aus dem Glauben heraus)

Je mehr ich weiß
desto mehr weiß ich
dass das was ich weiß
falsch sein wird

Je mehr ich lerne
umso mehr lerne ich nicht
desto anders

Je mehr auf mich zukommt
desto weniger geht mich an
umso

je
umso
nst

mit Wendung zum Guten